Frankfurt am Main ist die größte Stadt des Bundeslandes Hessen und eines der wichtigsten Finanzzentren Deutschlands. Die Europäische Zentralbank, die Deutsche Bundesbank, die Frankfurter Wertpapierbörse sowie zahlreiche internationale Banken haben hier ihren Sitz. In dieser Hinsicht ist Frankfurt nicht nur eines der wirtschaftlichen Zentren Deutschlands, sondern auch Europas.
Die Stadt liegt am Ufer des Mains. Wegen ihrer modernen Wolkenkratzer wird sie auch „Mainhattan“ genannt. Frankfurt besteht jedoch nicht nur aus Banken und Hochhäusern; der Römerberg, der Kaiserdom, die Paulskirche, das Goethe-Haus, die Alte Oper, das Museumsufer und die Mainufer prägen die historische und kulturelle Identität der Stadt.
Die Geschichte Frankfurts reicht bis ins Mittelalter zurück. Während der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war die Stadt eines der bedeutenden Zentren, in denen Könige gewählt und Kaiser gekrönt wurden. Im Jahr 1848 trat hier auch die Nationalversammlung in der Paulskirche zusammen, eines der ersten demokratischen Parlamentsprojekte Deutschlands. Frankfurt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, nach dem Krieg jedoch wieder aufgebaut und erhielt sein heutiges modernes Erscheinungsbild.
Frankfurt gehört zu den Städten in Deutschland mit einer starken Balkan-Diaspora. Besonders Einwanderer aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens ließen sich seit den 1960er-Jahren im Rahmen der Arbeitsmigration in der Stadt nieder. In den folgenden Jahren wuchs diese Gemeinschaft durch Kriege, Familiennachzug, Bildungs- und Arbeitsmigration weiter an.
Nach Angaben der Stadt Frankfurt lebten Ende 2024 Menschen aus 178 verschiedenen Ländern in der Stadt. Die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen betrug 248.477, was etwa 32 Prozent der Stadtbevölkerung entspricht. Zu den größten Gruppen gehören Menschen mit Staatsangehörigkeiten aus der Türkei, Kroatien, Italien, Rumänien, Indien, der Ukraine, Polen und Serbien.
Innerhalb der Balkanländer gehören die Kroaten zu den sichtbarsten Gemeinschaften in Frankfurt. Ende 2024 lebten 15.280 kroatische Staatsangehörige in Frankfurt. Damit gehören Kroaten nach den Türken zu den größten Gruppen ausländischer Staatsangehöriger in Frankfurt. Auch serbische Staatsangehörige zählen zu den zehn größten ausländischen Gruppen der Stadt. Für Staatsangehörige aus Bosnien und Herzegowina weisen ältere offizielle Statistiken eine Zahl von 6.079 Personen aus; diese Zahl umfasst jedoch keine Bosnierinnen und Bosnier, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.
Daher kann gesagt werden, dass die tatsächliche Zahl der Menschen mit Balkan-Herkunft in Frankfurt höher ist als die offiziellen Zahlen nach Staatsangehörigkeit. Denn viele Familien bosnischer, kroatischer, serbischer, kosovarischer, albanischer, mazedonischer und montenegrinischer Herkunft besitzen inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit.
In Frankfurt und der Rhein-Main-Region ist die Balkan-Gemeinschaft durch Vereine, Kulturzentren, Folkloregruppen, Sportvereine und religiöse Gemeinden sehr aktiv.
Hervorzuhebende Beispiele sind:
Darüber hinaus gibt es in Frankfurt, Offenbach, Bad Homburg, Hanau, Rüsselsheim und der Umgebung zahlreiche Sportvereine, Folkloregruppen, Moscheegemeinden, Kulturvereine und Jugendinitiativen mit Balkan-Herkunft. Deshalb wäre es unvollständig, die Zahl der Vereine nur auf die Stadtgrenzen Frankfurts zu beschränken; die Rhein-Main-Region sollte als Ganzes betrachtet werden.
Wenn man an Frankfurt denkt, gehört Dragoslav „Stepi“ Stepanović zu den bekanntesten Persönlichkeiten mit Balkan-Herkunft. Der im ehemaligen Jugoslawien geborene Stepanović war bei Eintracht Frankfurt sowohl als Fußballspieler als auch als Trainer tätig. Besonders durch seinen Ausspruch „Lebbe geht weider“ hat er einen unvergesslichen Platz in der Frankfurter Fußballkultur erhalten.
Eine weitere wichtige Persönlichkeit ist Niko Kovač. Der kroatischstämmige ehemalige Fußballspieler und Trainer betreute Eintracht Frankfurt und gewann mit der Mannschaft im Jahr 2018 den DFB-Pokal. Dieser Erfolg hat einen besonderen Platz in der Frankfurter Fußballgeschichte.
Die Verbindung Frankfurts zum Balkan beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Sport. Auch Balkanmusik, Sevdalinka, Folklore, religiöses Leben, Gastronomie und Literaturveranstaltungen sind in der Stadt lebendig. Künstlerinnen, Künstler und Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Wurzeln in Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kroatien, Kosovo, Albanien und Nordmazedonien nehmen häufig an Kulturabenden, Buchvorstellungen, Konzerten und Vereinsprogrammen in Frankfurt teil.
Frankfurt ist mit seiner wirtschaftlichen Stärke, seinem historischen Erbe und seiner internationalen Struktur eine der bedeutenden Städte Europas. Die Balkan-Gemeinschaft nimmt im sozialen und kulturellen Leben dieser Stadt einen wichtigen Platz ein. Seit der Arbeitsmigration bis heute haben Menschen mit Balkan-Herkunft zur Wirtschaft, zum Sport, zur Kultur und zum alltäglichen Leben Frankfurts beigetragen.
Heute lebt die Balkan-Identität in Frankfurt weiterhin in Vereinen, Folkloregruppen, Moscheen, Kirchen, Restaurants, Sportvereinen und Kulturveranstaltungen fort. In dieser Hinsicht ist Frankfurt eine starke kulturelle Brücke zwischen Deutschland und dem Balkan.
Ali ÖZSOY